Naifanchin no Kata
Naifanchin no Kata
Die Naifanchin ist eine der ältesten Kata des Okinawa Karate und war sowohl im Shuri-te als auch im Tomari-te bekannt. Sie gehörte neben der Passai, Kushanku, Useishi, Chinto, Seisan, Channan und Hakutsuru zu jenen Formen, die im Shuri-te bereits über Matsumura Sokon überliefert worden sind. Neben der Seisan war die Naifanchin eine der Basiskata mit welcher die Anfänger in das Technik- und Körpertraining eingeführt wurden. Im Tomari-te wurde die Kata von Uku Gigo an Matsumora Kosaku weitergegeben. Obwohl Miyagi Chojun die Naifanchin in seinem Buch „Outline of Karatedo“ neben der Sanchin und Tensho als Basiskata des Karate anführt, wurde die Naifanchin im Naha-te nicht unterrichtet.
Entstehungsthesen
Alle Entstehungsthesen gehen davon aus, dass eine lange Form der Naifanchin – die Koryu Naifanchin – bereits Matsumura Soken bekannt gewesen war.
Werfen wir einen Blick auf die verschieden Entstehungsthesen:
๏Matsumura übermittelt an Itosu die Koryu Naifanchin. Itosu entwickelt auf Basis dieser Kata die Kurzformen I-III.
๏Von Matsumura wurde die Koryu Naifanchin, die Naifanchin Shodan und Nidan übermittelt. Die Naifanchin Sandan wurde von Itosu Anko gegründet. Interessant scheint dazu, dass Chibana Sensei in seinen letzten Lebensjahren aus Respekt vor Itosu nur mehr die Naifanchin Sandan unterrichtete.
๏Weiters ist es vorstellbar, dass Itosu von Matsumura die Koryu Naifanchin und eine Kurzform mit gleichen Namen (entspricht der Naifanchin I) erlernte und dass er auf dieser Basis die Naifanchin II und III gegründet hat.
Durch die Einführung des Karate als Körperertüchtigungsübung an den Grundschulen Okinawas führte Itosu eine vormals nur im kleinen Kreis trainierte Kunst an die Öffentlichkeit. Dies war mit einer umfassenden Änderung der Unterrichtsmethoden und Erweiterung des Kata-Curriculums verbunden. Einleitend haben wir gesehen, welche Kata zur Vor-Itosu-Ära zu zählen sind. Itosu revolutionierte das Karate, er passte es den Erfordernissen des Gruppenunterrichtes an und kreierte auch eine Vielzahl neuer Kata (Pinan I-IV, Passai sho, Kushanku sho, Rohai I-III, Naifanchin I-III).
Ähnlich wie die drei Naifanchin werden auch die Pinan (5) und Rohai (3) in Gruppen zu mehreren Stufen trainiert. Bei diesen Katagruppen nimmt der Schwierigkeitsgrad mit ansteigender Stufe zu. Eine Analyse der drei Naifanchin Kata zeigt jedoch, dass die Naifanchin Shodan die Basis bildet und die Naifanchin Nidan und Sandan nur mehr Variationen darstellen, die aus technischer Sicht keine wesentliche Weiterentwicklung mehr darstellen. Aus unserer Sicht reicht das Trainieren der Naifanchin Shodan aus, um zu einem tieferen Verständnis der Konzepte der Naifanchin Kata zu gelangen. Itosu hat das Kata Curriculum von Matsumura umfassend erweitert. Aus heutiger Sicht hat diese Erweiterung jedoch zu einer Verwässerung der „Tradition“ geführt. In den verschiedenen Schulen werden nunmehr ungleich mehr Kata weitergegeben als zu Matsumuras Zeiten, dies führt unweigerlich dazu, dass der einzelnen Kata weniger Zeit gewidmet werden kann.
In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir es Itosus revolutionärem Geist und seinem mutigen Bruch mit einer Tradition zu verdanken haben, dass sich das Karate weltweit verbreitet hat.
Zu den anderen Kata:
๏Passai dai
๏Tenryu no kon