Gojushiho no Kata

Die Gojushiho zählt neben Passai, Kushanku, Naifanchin, Chinto, Seisan, Channan, Hakutsuru, Useishi zu den alten, traditionellen Kata, die schon von Matsumura Soken unterrichtet wurden. Der Name bedeutet „54 oder 54 Schritte/Bewegungen“. Einen möglichen Hinweis auf die Kata finden wir im Bubishi, in welchem eine Technik als „Die 54 Schritte des schwarzen Tigers und die Verwendung der Faust des weißen Kranichs“ bezeichnet wird.

Die 54 bezieht sich nicht auf die Anzahl der Bewegungen in der Kata, vielmehr bezieht sich die 54 auf die Zahlenmystik des Buddhismus. Im Goju-ryu gibt es Kata, wie Sepai (18), Niseishi (24)Sanseru (36) oder Peichurin (108). Die Verbindung dieser Zahlen mit den Kata verschiedener Stile ist signifikant und sicher mehr als purer Zufall. Dem Interessierten empfehle ich eine eingehende Beschäftigung mit dem Buddhismus und dessen Zahlenmystik.

Die Gojushiho stammt mit großer Sicherheit aus China. Ob die Kata bereits vor Matsumura Sokon auf Okinawa bekannt gewesen war, er die Kata in China erlernt hat oder sie auf Okinawa auf einem anderen Weg zu ihm fand, kann heute nicht mehr verifiziert werden. Den chinesischen Charakter der Kata erkennt man leicht in den Fingerspitzenstößen und den kreisförmigen, fliesenden Bewegungen. Welche Theorien gibt es zur Entwicklung der Gojushiho?

  1. Die Kata soll aus den Stilen des Kranichs und des Tigers des chinesischen Kempo entwickelt worden sein. Diese beiden Stile haben eine lange Geschichte in China und können auf den Shaolin Tempel in Nord-China zurückgeführt werden.

  2. Es gibt eine Theorie die besagt, dass die Gojushiho auf die alten okinawansichen Tänze zurückgeht.

  3. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Ursprung der Kata im chinesischen Phönix-Augen Stil hat.

Wie bei der Herkunftsgeschichte anderer Kata, so sehen wir auch hier, dass es unterschiedliche Interpretationen und Legenden aus alter Zeit gibt, die oft in Widerspruch zueinander stehen oder sehr weit gefasst und dadurch unklar sind. Wesentlich ist aber nicht der absolute Wahrheitsgehalt dieser Inhalte, sondern dass Wissen, das Gefühl, die “Lehre” welche(s) man aus den Inhalten gewinnen kann.

Die heute bekannten Varianten der Gojushiho wurden vorwiegend über Itosu Anko oder Kyan Chotoku weitergegeben. Obwohl die Kata heute in unterschiedlichen Varianten trainiert wird, ist die Basis aller Varianten die Matsumura Form.

Funakoshi Gichin nannte die Gojushiho bei der Einführung des Karate auf Japan für eine Weile Hotaku (Spechtklopfen). Diese Bezeichnung weist auf einen Holzspecht hin, der gegen die Rinde eines Holzes pickt. In Verbindung mit einer der Haupttechniken der Kata – dem Nukite – scheint der Name sehr gut gewählt. Im modernen Shotokan sind heute zwei Varianten bekannt, die Gojushiho Dai und Gojushiho Sho, wobei die Sho-Variante eine Ableitung von Mabuni Kenwa´s Gojushiho sein soll.

Die Gojushiho ist eine der schwierigsten Shuri-te Kata und zählte zu den Spezial bzw. Lieblings kata von Mabuni Kenwa und Toyama Kanken.

Zu den anderen Kata:

  1. Pinan no Kata

  2. Naifanchin no Kata I - III

  3. Chinto

  4. Passai dai

  5. Chibana no Kushanku

  6. Tenryu no kon